Nachrichten aus dem

 

 

HAUS

 

 

 

DER

 

 

 

STILLE

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

April / Mai 2004

 

Jesus aber und seine Jünger waren zur Hochzeit nach Kana geladen.

Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm:

„Sie haben keinen Wein mehr.“

Joh 2,2.3

 

Liebe Freundinnen und Freunde des Hauses der Stille,

liebe Mitglieder des Trägerkreises!

 

Wenn euch dieser Brief Anfang April erreicht, bin ich schon nicht mehr Leiter des Hauses. Nachdem die Kirchenleitung am 27. Februar meine Bestellung durch das Kuratorium des Hauses nicht bestätigt hat, endet meine Leitung mit dem 31. März. Ausdrücklich ignoriert die Kirchenleitung mit ihrer Entscheidung den Willen des Trägerkreises und vieler Freundinnen und Freunde des Hauses, der ja unter anderem in den vielen Briefen, die Mitte letzten Jahres an die Kirchenleitung gegangen sind, und die sich für eine Fortsetzung meiner Leitung im Hauses eingesetzt haben, zum Ausdruck gebracht wurde. Bei allen, die sich in der letzten Zeit ausdrücklich für die Sache des Hauses und auch dafür eingesetzt haben, dass ich das Haus weiter leiten kann, möchte ich mich ganz herzlich bedanken. Mir allerdings fällt es nicht leicht diese Entscheidung der Kirchenleitung zu akzeptieren. Sie lässt mich nach wie vor enttäuscht und verärgert zurück.

Was mich besonders enttäuscht und verärgert, möchte ich versuchen im Folgenden kurz zum Ausdruck zu bringen, mit der Überzeugung, dass dies nicht lediglich pure Emotion ist, sondern auch Wesentliches der Sache entspricht, um die es geht. An zwei Punkten möchte ich dies deutlich machen, an der Partnerschaftlichkeit und an der Frage nach einer mystischen Theologie.

Erstens: Zu selten habe ich in den letzten Jahren die Kirchenleitung gegenüber dem Trägerkreis als wirklich partnerschaftlich erlebt. Zu sehr habe ich das Handeln der Kirche gegenüber dem Haus der Stille als die Basis für die Arbeit verunsichernd, ja sogar gefährdend erfahren. Dies reichte von der Halbierung der Leiterstelle über die Streichung aller Zuschüsse für die Tagungen, über die Streichung der Leiterstelle aus dem landeskirchlichen Stellenplan, über die ständige Infragestellung des Standorts in Wannsee bis hin zu dem Vorschlag, die Arbeit nach Lehnin zu verlagern. Gerade der Vorschlag der Verlagerung der Arbeit nach Lehnin, der im Anschluss an eine Visitation und somit eines ihrer Ergebnisse war, hat das Vertrauen in kirchenleitendes Handeln bei mir nachhaltig erschüttert. War doch klar, dass damit der langjährige Einsatz des Vereins für das Haus in Frage gestellt war.

Enttäuscht und verletzt hat mich dann natürlich die Mitteilung im April letzten Jahres, dass die Kirchenleitung nicht wünscht, dass ich das Haus weiter leite. Anstatt sich über Inhalte und Differenzen in der Beurteilung und Ausrichtung der Arbeit zu verständigen, hat man mit diesem einseitig getroffenen Entschluss Fakten geschaffen und faktisch damit das Gespräch über Inhalte verweigert. Weder die vielen Briefe der Freundinnen und Freunde des Vereins konnten daran etwas ändern noch meine Versuche, mit der Kirchenleitung inhaltlich ins Gespräch zu kommen, wurden angenommen. Dass ein konstruktiver Dialog auf Augenhöhe über inhaltliche Differenzen mit der Kirchenleitung letztlich nicht möglich war, gehört zu meinen schmerzlichen Lernerfahrungen.

Zweitens: zur mystischen Theologie. In der Entscheidung der Kirchenleitung wird auch eine Ablehnung der von mir vertretenen mystischen Theologie zum Ausdruck gebracht. Des Öfteren wurde ja von kirchenleitender Seite Kritik an meiner z. B. in den Rundbriefen zum Ausdruck gebrachten Spiritualität geübt. Zuletzt hat man z. B. ausdrücklich an einer Formulierung in der Ausschreibung für meinen Pfingstkurs Anstoß genommen: „Unser Geist und der allumfassende, heilige Geist Gottes erweisen sich in der Tiefe als ein Geist.“ Diese und ähnliche andere Aussagen stehen in der Tradition einer mystischen Theologie, wie sie etwa Meister Eckhart oder auch Angelus Silesius vertreten haben und die einer kontemplativen Erfahrung und Spiritualität entsprechen. Auf meinen Brief, in dem ich diese Formulierung ausführlich theologisch begründet habe, habe ich nie eine Antwort erhalten. Mit der Ablehnung meiner Theologie macht man auch deutlich, dass man nicht wirklich bereit ist, einer mystischen Spiritualität innerhalb des Protestantismus eine Heimat zu geben. Eine Folge dieser mangelnden Integrationsfähigkeit der Ev. Kirche ist der massenhafte Exodus spirituell suchender Menschen und religiös Interessierter. Für die Menschen, die mit der evangelischen Kirchen nicht mehr viel anfangen können, weil sie für ihre spirituelle Suche zu wenig bietet und die sich daher bei den Angeboten anderer Religionen oder spirituellen Strömungen außerhalb der Kirche orientieren, ist die Verweigerung meiner Berufung durch die Kirchenleitung kein gutes Signal. Sicherlich weiß man, dass die Institution Kirche und die Mystik im christlichen Abendland selten zu einem fruchtbaren Miteinander gefunden haben. Ich hätte es mir allerdings im Inter-esse einer geistlichen Erneuerung in unserer Kirche und im Interesse der Menschen, die nach einer lebendigen mystischen Spiritualität fragen, gewünscht.

Ihr merkt: mit der Entscheidung der Kirchenleitung bin ich alles andere als einverstanden. Ich finde es schade, dass man nicht den Mut und die Freiheit hatte, die für manche vielleicht ungewohnte, von vielen aber vor allem als gut, wegweisend und hilfreich empfundene geistliche Arbeit, die noch dazu auch wirtschaftlich erfolgreich ist, von mir weiterführen zu lassen.

 

Nun aber möchte ich jetzt auch ausdrücklich zum Ausdruck bringen, dass diese achteinhalb Jahre für mich eine reiche und erfüllte Zeit waren. Besonders möchte ich mich bei allen Weggefährtinnen und Weggefährten dieser Zeit für die vielfältige Unterstützung bedanken. Ohne das Mitmachen vieler, die in der unterschiedlichsten Weise Verantwortung übernommen haben und die ihre Kraft und Zeit in die Arbeit des Hauses investiert haben, wäre die umfangreiche und erfolgreiche Arbeit, die wir in den letzen Jahren im Haus durchführen konnten, nicht möglich gewesen. Herzlichen Dank an alle, die mitgeholfen haben, dass diese wertvolle und zarte Blüte geistlichen Leben so vielfältig und kräftig blühen konnte. Und natürlich wünsche ich mir, dass sie auch weiterhin blühen wird und dass die Umstände und Rahmenbedingen sich für das Haus der Stille in Zukunft hoffentlich noch verbessern.

 

Von vielen weiß ich, dass es vor allem auch meine geistlichen Worte in den Rundbriefen waren, die gerne gelesen, geschätzt, ja sogar gesammelt wurden. Daher soll auch dieses letzte Mal eine solche geistliche Betrachtung nicht fehlen. Ich möchte euch einladen, euch für das Wunderbare zu öffnen. Ich möchte euch dazu einladen, Wasser in Wein zu verwandeln, so dass die Grundlage unseres Lebens, die überquellende Freude und Ekstase ist, die Gott in sich selbst ist, aus der heraus alle Dinge erschaffen werden, aus der heraus auch unser Leben jederzeit hervorgeht. Um dies zu realisieren müssen wir meistenteils einen Weg gehen, den Weg einer spirituellen Praxis. Denn am Anfang steht die Erfahrung, dass der Wein ausgegangen ist.

Der Sinn solcher Wundergeschichten, wie z. B. die Hochzeit zu Kana (bitte lest Johannes 2,1-11 nach) liegt also auf einer symbolischen Ebene, sie ist geistlich zu verstehen. Es geht sicherlich nicht darum, dass wir für wahr halten, dass Jesus im materiellen Sinn Wasser in Wein verwandelt hat. Genau so wenig wie es darum geht für wahr zu halten, dass Maria körperlich eine Jungfrau war, dass Jesus leiblich auferstand oder dass er über das Wasser ging. Wer solches Fürwahrhalten von uns forderte, der würde von uns fordern, dass wir unseren Verstand opfern. Er würde unseren Glauben abhängig machen von übernatürlichen Eingriffen Gottes in unsere Welt.

Sicherlich, unsere Vernunft kann unsere Welt nicht ganz begreifen. Dazu ist sie zu begrenzt, so dass uns lediglich Ausschnitte zugänglich sind. Andererseits müssen wir Religion aber auch von Irrationalem reinigen. Und manches Wunder ist nun einmal lediglich ein Mythos, wie etwa die Jungfrauengeburt. Und andere Wundergeschichten sind nun einmal lediglich Symbole, wie etwa die Verwandlung von Wasser in Wein.

Sicherlich, in Geschichte von der Hochzeit zu Kana geht es wesentlich um das Wunder, um das Wunderbare, um das Geheimnis. Aber eben nicht in einem irgendwie materiellen Sinne. Es geht um das Geheimnis. Es geht um das Wunder, das niemals zu lüften ist. Es geht um das eine Wunder, das überhaupt erst alles andere möglich macht. Das Geheimnis, das in der selbstverständlichen und schlichten Tatsache unseres Hierseins verborgen ist. Das Wunder, das sozusagen der untrennbare Zwilling des ganz Normalen und Selbstverständlichen ist. Das eine Wunder, das sich im Alltäglichen so verbirgt, dass wir es nicht sehen, obwohl es das allernächste und allergrundlegendste ist. Dieses Wunder drückt sich in dem Staunen aus, das in der Frage enthalten ist: „Warum ist etwas und ist nicht vielmehr nichts?“ Das Allerselbstverständlichste ist das Wunderbarste. Dieser Atemzug, er vollzieht sich unbemerkt und selbstverständlich und er ist dennoch das Unbegreiflichste und Wunderbarste. Das Wunder, um das es der Religion wesentlich geht, ist nicht das Extraordinäre, das lärmende Mirakel, also die spektakuläre Ausnahme von der Regel, sondern das eigentliche Wunder ist versteckt im Selbstverständlichsten, es ist still und leise und entzieht sich allem Lärm und aller Instrumentalisierung.

Um dieses Geheimnis, das um so geheimnisvoller wird, um so näher wir ihm kommen, darum geht es der Religion und darum geht es auch in unserer Geschichte, die von dem Wunder auf der Hochzeit zu Kana erzählt. Äußerlich gesehen erzählt unsere Geschichte von der Verwandlung von Wasser in Wein. Aber dies ist ein Verweis, ein Symbol, das auf objektiv nicht Fassbares deutet. Es ist eine Geschichte, die in das Geheimnis unseres Lebens hineindeutet, die unseren Blick hinwenden will auf das Geheimnis des Universums, auf das Wunder unseres Daseins überhaupt.

„Und am dritten Tage war eine Hochzeit in Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da. Jesus aber und seine Jünger waren auch zur Hochzeit geladen.“ So beginnt unsere Geschichte und sie setzt schon viele Assoziationen frei.

„Am dritten Tage ..“ das bezieht sich zurück auf die Taufe, die vor drei Tagen war. Taufe, das ist die Kommunion von Gott und Mensch. Taufe, Hinabstieg in das Wasser – drei Tage im Bauch des Fisches wie Jona in der Tiefe. Das Feste löst sich in das Flüssige. Transformation, Einschmelzung in den Urgrund, in den Zustand vor aller Schöpfung, wo der Geist Gottes über dem Wasser schwebt. Rückkehr in den göttlichen Urgrund, in die Matrix, die Mater, Prima Materia. Eine Rückkehr, die auch ein Sterben, einen Tod umfasst. Das kleine, begrenzte Ich des Menschen stirbt in das Unendliche, in das Ungeschaffene, in das Zeitlose hinein. Und dann wieder Rückkehr in die Welt. Rückkehr in ein neues, in ein transformiertes Menschsein: Wiedergeburt. Geburt eines Menschen, der nun beides ist: endlich und allumfassend, sterblich und ewig, Materie und Geist, göttlich und menschlich. Davor, vor drei Tagen also, die Transformation des Menschen, die heilige Hochzeit, in der Gott und Mensch eins werden.

„Am dritten Tage …“ das verweist auch nach vorne. Als Christen ergänzen wir innerlich ja sofort: „… auferstanden von den Toten.“ Auch hier Transformation. Übergang vom Tod in ein größeres, allumfassendes, ewiges Leben. Johannes würde auch sagen: Rückkehr zum Vater. „Meine Zeit ist noch nicht gekommen.“ sagt Jesus in unserer Geschichte, als er Maria recht schroff zurückweist. Auch dies verweist auf die Transformation. Die Stunde Jesu ist die Stunde seines Todes. Aber wer hier nur auf das Ende sieht, der sieht nicht alles. Tod ist Rückkehr zum Vater. Tod ist nicht ein Ende, sondern eine Verwandlung. Tod ist – für den, der es sehen kann – ein unendlicher Anfang.

Schon allein mit diesen drei Worten „Am dritten Tag …“ ist der Rahmen aufgespannt, innerhalb dessen diese Geschichte verstanden sein will. Transformation, Verwandlung des Todes in Leben, Verwandlung des Endlichen in das Allumfassende, Vereinigung von Geist und Materie, von Gott und Mensch.

Und dies alles ist hier zusammengefasst in das Bild von der Hochzeit; in das Bild von einem rauschenden Fest, in einem Bild, das wiederum Assoziationen der Vereinigung und der Entgrenzung freisetzt. Freilich, das Bild der Hochzeit von zwei Menschen wird hier zum Bild für die Hochzeit des Menschen mit Gott. Das Bild des Festes, das bei solcher Hochzeit zweier Menschen gefeiert wird, wird zum Bild für ein Fest, das sich ständig ereignet und gefeiert wird.

Das ist das Leben, wenn man es recht lebt: ein rauschendes Fest, ein Fest der Kommunion. Die polaren Gegensätze schwingen in Einheit, so wie bei einer Hochzeit Mann und Frau sich vereinigen und damit die untrennbare Einheit der Gegensätze zelebrieren. Leben gibt es nicht als männlich oder weiblich, sondern nur in dieser Gleichzeitigkeit von Einheit und Unterschiedenheit von männlich-weiblich. Und so ist es mit allen polaren Gegensätzen. Und in der Hochzeit zweier Menschen ist es die Energie des Lebens, die Kraft der Liebe, die Erotik, die das Getrennte in Gemeinschaft, ja in polare Einheit führt.

Und so ist es auch auf der Hochzeit, die das Leben ist. Wir sind Bewegte einer Kraft, die uns aus der Trennung in die Einheit und aus der Einheit in die Trennung führt. Wir sind Teil eines allumfassenden Lebens, in dem die Gegensätze des Lebens eine Einheit sind: Leben und Tod; Ich und Du, Geist und Materie, Licht und Finsternis, Gott und Mensch. Aus solch einem Leben kommen wir. Dieses Leben ist unsere Vergangenheit, ist unser Ursprung.

Allerdings, der Wein auf diesem Hochzeitsfest des Lebens ist zu Ende gegangen. „Sie haben keinen Wein mehr.“ Die Gäste und das Brautpaar, sie sitzen auf dem Trockenen, die Feier ist gestört. Zu Anfang des Festes stand genug Wein zur Verfügung. Aber jetzt ist er zur Neige gegangen. Die Begeisterung des Anfangs, das pulsierende Leben aus dem wir alle kommen, ist verloren. Erwachsen geworden passiert es allzuoft, dass man ernüchtert ist. Nachdem der erste Lebensrausch verflogen ist, ist man nüchtern geworden. Plötzlich schmeckt das Leben sehr gewöhnlich, nach einfachem Wasser eben und nicht mehr nach Wein. Die unmittelbare Lebensfreude ist getrübt. Die einfache Tatsache am Leben zu sein beglückt nicht mehr, berauscht nicht mehr.

Das Leben ist jetzt nicht mehr eine Einheit, in der wir ein Teil eines Ganzen sind, sondern die Einheit ist verloren. Die Polaritäten sind uns zu unversöhnbaren Gegensätzen geworden. Wir leben jetzt im Kampf der Gegensätze. Tod gegen Leben, Hell gegen Dunkel. Wir sind erwacht dazu, dass wir sterblich sind, dass wir ein Einzelner sind, dass wir endlich und begrenzt sind. Wir ergreifen Partei und kämpfen für das kleine Leben gegen den unvermeidlichen Tod. Wir wollen das eine, aber wir verneinen das andere. Und wir tun dies, obwohl wir dies genau wissen: wir haben das eine nur mit dem Anderen. Wir haben das Leben nur mit dem Tod. Wir sind ein Einzelner nur weil es die Anderen gibt. Ja die Anderen und das Andere, sie sind unser wahres Selbst, ohne die wir nicht wären. Und so wird uns in Kampf und Sorge das Leben womöglich zur Last und zur Gewohnheit. Der Wein auf dem Fest des Lebens ist ausgegangen. Die Ekstasen der Kindheit sind erloschen. Wo pure Freude, Rausch und Begeisterung war, bleibt Ernüchterung.

Und noch etwas ist geschehen, geschieht jedem von uns unweigerlich. Auch die Einheit der Zeit ist uns zerbrochen. Wo anfangs Gegenwart war, oder besser ein Einssein mit dem Leben jetzt in diesem Augenblick, dort ist jetzt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Wobei die Gegenwart keine eigene Kraft mehr hat. Die Gegenwart ist verkümmert zu etwas, was ganz bestimmt ist von der Vergangenheit und lediglich als Übergang in die Zukunft dient. Der Augenblick im eigentlichen Sinne verschwindet und Vergangenheit und Zukunft dominieren. Wir leben dann nicht mehr hier und jetzt, sondern wir haben einen Kopf voller Wünsche und Sorgen, voller Träume, Erwartungen und Erinnerungen.

Jetzt ist es so: Wir sind auf unserer eigenen Hochzeit und uns schmeckt alles fad und langweilig. Der Tanz des Lebens lädt uns ein, aber wir geben dem Leben einen Korb, weil wir uns einen schöneren und besseren Tanz in der Zukunft ausmalen oder weil wir in Erinnerungen schwelgen. Wenn wir dies merken, wenn uns bewusst wird, dass wir auf dem Trocknen sitzen, dann werden wir uns wie Maria an Christus, an Gott wenden. „Der Wein ist ausgegangen,“ werden wir sagen. Und das ist dann vielleicht ein Gebet, es ist vielleicht eine Sehnsucht, es ist auf jeden Fall das untrügliche Gefühl, dass etwas Wesentliches fehlt.

Es fehlt, aber nicht weil es nicht da wäre; sondern weil wir es nicht erfassen können. Das Wunder, das Geheimnis ist nach wie vor anwesend. Aber wir haben uns aus seiner Anwesenheit entfernt und sind sozusagen in die Fremde, in das Exil gegangen. Und der Weg zu dem, was direkt unter unseren Füßen ist, was sozusagen der Atem unseres Atems ist, ist oft ein Umweg, der uns aber nirgendwo anders hin führt als gerade an den Ort unseres Lebens an dem wir gerade sind. Das Geheimnis ist ja nicht fern, sondern es ist uns näher als wir uns selbst sind.

So wie das Wunder die unentdeckte Zwillingsschwester des Alltäglichen und Normalen ist, so ist das Wunder das unbegriffene Geheimnis unseres Gerade-hier-an-diesem-Ort-Seins. Jetzt, in diesem Augeblick, kann sich die Verwandlung ereignen. Jetzt kann das Wasser sich als Wein erweisen, jetzt können wir das Selbstverständlichste als das Wunderbarste erfahren.

Wir können unseren Atem spüren. Er ist uns selbstverständlich. Aber dass der Atem in uns kommt und geht, ist unfassbar. Warum atme ich? Welche Kraft, welche Energie ist es, die in meinem Atem pulsiert? Alles, was ich um mich herum wahrnehme, warum ist es da? Warum gibt es Bäume und Wolken, Steine und Seen? Wie selbstverständlich lebe ich in diesem Universum; aber warum ist es da? Wieso bin ich da, warum lebe ich in dieser Welt? Mein Hiersein nehme ich als selbstverständlich, aber es ist völlig unerklärlich, und niemand wird es mir jemals wirklich erklären können. Wenn wir uns aber für dieses unbegreifliche, für dieses unfassbare Wunder öffnen, wenn wir uns von ihm berühren und ergreifen lassen, dann wird in uns eine uralte und doch immerjunge Freude lebendig und wird uns durchströmen. „Hiersein ist herrlich“ können wir dann mit Rilke rufen. Ja, Hiersein ist herrlich. Das Wasser hat nie aufgehört der köstlichste, der berauschendeste Wein zu sein. Lasst uns davon trinken, lasst uns berauschen an der Freude Gottes und lasst uns die Freude miteinander teilen.

 

Einladen möchte ich euch daher, um gemeinsam zu feiern. Zuerst möchte ich euch einladen für unsere Feier der Osternacht am 11. April 2004. Sie beginnt um 5.30 Uhr noch in der Nacht beim Anbruch des neuen Morgens. Wir werden das Osterfeuer im Garten entzünden, miteinander singen, Texte hören vom Wunder des Hierseins und der Auferstehung und anschließend dann in der Kapelle feiern. Nach dem Gottesdienst bleiben wir dann zu einem Osterfrühstück zusammen (bitte etwas mitbringen!). Wenn es geht, meldet euch bitte an. Für diejenigen, die schon am Sonnabend kommen wollen haben wir einige Betten frei (Anmeldung: (805 30 64)

Und einladen möchte ich euch ganz herzlich zu meiner Verabschiedung, die am Sonntag, dem 23. Mai um 18 Uhr in Haus der Stille sein wird. Wir wollen miteinander Gottesdienst feiern und natürlich anschließend dann noch zusammensein. Damit wir uns darauf einstellen können, wie viele etwa kommen werden, bitten wir dringend darum, dass ihr euch anmeldet: (805 30 64. Und wir bitten alle, die kommen, für das Buffet etwas beizusteuern. Bitte bringt eine kulinarische Köstlichkeit mit!

Nun grüße ich euch auf diesem Wege ein letztes Mal ganz herzlich. Ich danke noch einmal aus tiefen Herzen für den gemeinsamen Weg, für alle Unterstützung und Aufmerksamkeit, für alles wodurch uns geholfen wurde zu wachsen und vor allem, wodurch wir empfänglicher wurden für Gottes Geist und Gottes Gegenwart. Ich danke für alle Erfahrungen des Wunders, die wir in dieser Zeit und in diesem Haus machten konnten. Manche haben mich gefragt, wie sie in Zukunft zu mir Kontakt halten können. Zum einen habe ich die Absicht weiterhin Kurse im Haus der Stille zu geben und freue mich natürlich, wenn ich dort mit euch gemeinsam auf dem Weg sein kann. Zum andern bin ich weiterhin Pfarrer in der Tabor-Gemeinde in Berlin-Kreuzberg. Und schließlich werde ich in Kürze eine Web-Seite einrichten, auf der man sich über meine Aktivitäten informieren kann (www.stefan-matthias.de). Dort findet ihr dann u. a. meine Gottesdiensttermine, Meditations- und Kurszeiten und ab und an sicherlich auch eine Predigt.

 

Gottes Segen, seine unendliche Liebe und Freude sei mit uns allen

 

P.S: Die Leiter des Hauses kommen und gehen – manche Mitarbeiterinnen aber bleiben. Hannelore Walther hat am 1. Mai ihr 30jähriges Dienstjubiläum. Ich war ihr sechster Leiter. Liebe Hannelore - auf diesem Wege ein herzliches Dankeschön.

 

 

 

 

 

Gottesdienste im April / Mai 2004

Sonntag Palmarum

 4. April

11.00

Meditative Messe

Oskar Kruppke

Karfreitag

 9. April

15.00

Feier zur Todesstunde Jesu

Stefan Matthias

Ostersonntag

11. April

 5.30

Osterfrühgottesdienst

Stefan Matthias

Sonntag Quasimodogeniti

 18. April

11.00

Meditative Messe

Claudia Geißler

Sonntag Misericordias Domini

25. April

11.00

Meditative Messe

Claudia Geißler

Sonntag Jubilate

 2. Mai

 

kein Gottesdienst

 

Sonntag Kantate

 9. Mai

11.00

Meditative Messe

Claudia Geißler / Christian Bunners

Sonntag Rogate

16. Mai

11.00

Meditative Messe

Roland Krusche

Christi Himmelfahrt

20. Mai

 

kein Gottesdienst

 

Sonntag Exaudi

23. Mai

18.00

Meditative Messe

Verabschiedung Stefan Matthias

Pfingstsonntag

30. Mai

 

kein Gottesdienst

 

Pfingstmontag

31. Mai

11.00

Meditative Messe

Stefan Matthias

Sonntag Trinitatis

 6. Juni

11.00

Meditative Messe

Oskar Kruppke

 

 


Ständig wiederkehrende Veranstaltungen im April / Mai 2004

Meditationsgruppe

dienstags 19.00-21.00

Meditationseinführung wird vorausgesetzt

Qi Gong

mittwochs 17.00-18.30 (Kurs 21. April bis 23. Juni)
Ltg.: Brigitte Ovaska

Gregorianische Schola

Sänger(innen)gruppe für Stundengebet und Gottesdienst,
am 1. und 3. Mittwoch im Monat, jeweils 19.30-21.00
anschließend liturgisch gestaltete Complet

Biblische Gesprächsgruppe

am 2. und 4. Donnerstag im Monat, jeweils 19.00-20.30

Leitung Gundolf Herz, Tel. 89 72 41 16

Meditationstag

Sonnabend, 3. April (Ltg. Stefan Matthias) u. Sonnabend, 12. Juni (Ltg. Christine Paterok), jeweils 9.00-16.30
Meditationseinführung wird vorausgesetzt.
Anmeldung
(805 30 64

Spirituelle Körperarbeit

montags 10.00-11.30  und  montags 19.00-20.30

Neubeginn der Kurse am 14. Juni

Ltg., Anm., Info: Gila Philipp-Kullmann, Tel. 84 72 11 33


Tagungen des Hauses der Stille im April / Mai 2004

02.04.-10.04.       Kontemplation mit Heilfasten im Schweigen                    8 Tage vor Ostern
Heilfasten nach Hildegard von Bingen und intensive Übung der Kontemplation (5 Std./ tägl.). Schweigekurs. Einführung in die gegenstandsfreie Meditation wird vorausgesetzt. Ltg.: Margitte Niederstucke / Ass.: Rosemarie Hannemann         –  W a r t e l i s t e  –

      03.04.            Meditationstag – Ein Tag in Stille und Schweigen

     900-1630            Meditationseinführung wird vorausgesetzt. Anmeldung (805 30 64.
Ltg.: Stefan Matthias.                           –  n u r   n o c h   w e n i g e   P l ä t z e   f r e i  –

      11.04.            Feier der Osternacht Mit Beginn der Dämmerung feiern wir die Auferstehung mit einem

        530                Osterfeuer, Entzünden der Osterkerze und Gottesdienst.Für das gemeinsame Osterfrühstück bitte etwas mitbringen. Anm. (805 30 64                      –  n o c h   P l ä t z e   f r e i  –

13.04.-17.04.       Auf dem Weg zur inneren Herzensruhe
Mittels Meditation, Atem- und Leibarbeit sowie Texten und Gesprächen wieder innerlich ruhig werden und Herz und Kopf frei bekommen. Der Kurs findet im Schweigen statt. Ltg.: Klaus Eitel                                                          –  n o c h   P l ä t z e   f r e i  –

16.04.-18.04.       Shiatsu – mit unserer Mitte in Kontakt               Die Kunst der berührenden Begegnung
Im Shiatsu können wir unsere Wahrnehmung der Körpersprache umsetzen in einfühlsame und achtsame Berührung. So entsteht ein Gespräch zwischen der Person, die Shiatsu gibt, und der, die es empfängt.  – Ltg.: Joachim Gabriel –  n o c h   P l ä t z e   f r e i  –

   18.04.  1500       Finissage der Ausstellung von Uta Rosa Pfeiffer in unserer Kunstdiele

      18.04.            Konzert: paratonale Passagen                  Orchester ParaTonal – Obertonreiche Musik

       1800               Eintritt:  8,- e / Erm. 6,- e   -  Karten bitte vorbestellen: ( 805 30 64

ab Mi. 21.04.        Fortlaufender Kurs: Qi Gong  Teil II                    bis 23.06.

   1700-1830                Die Bewegungen sind einfach und in jedem Alter zu erlernen und führen zu innerer Ruhe, Konzentration und guter Gestimmtheit bei gleichzeitiger körperlicher Erfrischung.
Ltg.: Brigitte Ovaska                                                         –  n o c h   P l ä t z e   f r e i  –

23.04.-25.04.       Beten über Worte hinaus              siehe ausführliche Ausschreibung auf Seite 6
Ltg.: Ursula Müller / Claudia Geißler                                 –  n o c h   P l ä t z e   f r e i  –

23.04.-25.04.       Meditation und Yoga – Weg des Herzens  Einführung und Vertiefung „Einfach nur da sein“
4 Std. Meditation, 2 Std. Körper- und Atemübungen, Vorträge und Einzelgespräche, Mitarbeit im Haus, lange Mittagspause für Spaziergänge. Das Seminar findet im Schweigen statt.  – Ltg.: Dagmar Fleischmann                                              –  n o c h   P l ä t z e   f r e i  –

07.05.-09.05.       Mit Leib und Seele - Yoga und Meditation
Durch Körperübungen Leib und Seele lockern und entspannen. In der Wort-Meditation und in gegenstandsfreier Meditation Ruhe, Sammlung und Gelassenheit wiederfinden und verstärken.  – Ltg.: Walter Christian Krügerke             –  n o c h   P l ä t z e   f r e i  –

07.05.-09.05.       Meditieren mit Theodor Fontane und Paul Gerhardt
Durch Information und Gespräch, durch Lesen und Bedenken, durch Stille und Meditation wollen wir uns mit beiden Dichtern auf den Weg machen, um selbst wesentlicher zu werden.  Ltg.: Claudia Geißler / Christian Bunners                       –  n o c h   P l ä t z e   f r e i  –

      09.05.            Meditative Klänge und klangvolle Poesie ein Instrumental- und Sprachkonzert

       1900               mit Martina Letz, Flöte, Friedrich Samuleit, Gongs und Monochord, und Jürgen Trott-Tschepe, Poesie.  Eintritt:  8,- e / Erm. 6,- e   –  Karten bitte vorbestellen: ( 805 30 64

14.05.-16.05.       Sitzen und Staunen           Im stillen Sitzen, bei der Körperarbeit (ca. 2 Std.) und bei der Arbeit in Haus und Garten üben wir, sensitiv und wach zu sein. Meditationseinführung wird vorausgesetzt. Schweigekurs. – Ltg.: Roland Krusche (Meditation)/ Maria Biege (Körperarbeit)                                                                             –  n o c h   P l ä t z e   f r e i  –

14.05.-16.05.       Handauflegen – Erfahrung heilender Energie – Energiefeldwahrnehmung
Schon in der Bibel wird von der heilenden Energie, die beim Handauflegen fließt, berichtet.  Ltg.: Helga Jäger                   –  n u r   n o c h   w e n i g e   P l ä t z e   f r e i  –

16.05. 1500-1700    Tag der Offenen Tür         Anmeldung erbeten  ( 805 30 64.

19.05.-23.05.       Metta-Vipassana-Meditation
Sitz- und Geh-Meditationen, leichte Yoga-Übungen, Vortrag, Singen ...
Größtenteils Schweigekurs außer den Phasen achtsamen Sprechens und Zuhörens.
Ltg.: Annabelle Zinser                          –  n u r   n o c h   w e n i g e   P l ä t z e   f r e i  –

19.05.-23.05.       Pranayama – der Nektar des Atems
Wir bereiten die Pranayama-Übungen vor mit einfachen Körperstellungen aus dem traditionellen Hatha-Yoga. Das Pranayama selbst führen wir im Sitzen und im Liegen aus. Vorkenntnis-se sind nicht erforderlich. Jeder Teilnehmer kann und soll nach eigenem Ermessen üben.
Ltg.: Anthony Lobo / Marina Alvisi      –  n u r   n o c h   w e n i g e   P l ä t z e   f r e i  –

28.05.-31.05.       Pfingsten – den Geist Gottes wehen lassen          Stille, Gewahrsein und Meditation
12 Meditationszeiten (jeweils ca. 25 Minuten) im Wechsel mit Geh-Meditation. Wer nicht an allen teilnehmen möchte, kann das tun. Voraussetzung ist, dass alle in dieser Zeit in ein tiefes Schweigen eintreten. Für Geübte mit Erfahrung in einer Form der nicht-gegen-ständlichen Meditation (z. B. Kontemplation, Za-Zen, Vipassana) und für entschlossene Anfänger. 
Ltg.: Stefan Matthias                                       –  n o c h   P l ä t z e   f r e i  –


 

Karl-Heinrich Lütcke                                                                                                             26. März 2004

 

Brief an die Mitglieder des Trägervereins

des Hauses der Stille

 

 

Liebe Freundinnen und Freunde des Hauses der Stille,

 

der Versuch, die jetzt wieder im landeskirchlichen Haushaltsplan vorhandene 50%-Stelle für die Leitung des Hauses zu besetzen, hat im ersten Anlauf nicht zum Erfolg geführt: Die Kirchenleitung hat die Bestellung von Pfarrer Matthias zum Leiter des Hauses der Stille nicht bestätigt. Mir ist bewusst, dass das viele von Ihnen schwer verstehen können. Denn im letzten Jahr haben sich viele in Briefen an den Bischof oder die Kirchenleitung gewandt, für eine Verlängerung votiert und mitgeteilt, wie positiv Sie die Arbeit von Pfarrer Matthias erlebt haben.

 

Die Kirchenleitung hat wahrgenommen, dass die meisten dabei nicht nur eine Solidaritätserklärung unterschrieben, sondern persönliche Erfahrungen mitgeteilt haben. Trotzdem haben wir die Briefe als eine Kampagne erlebt, die eine zusätzliche Personalisierung in die Diskussion über die Zukunft des Hauses der Stille gebracht hat. Das Kuratorium des Hauses der Stille hat sich in dieser Situation darum bemüht, einer Personalisierung entgegenzutreten und sowohl den Trägerverein wie die Kirchenleitung zu bitten, personelle Festlegungen – in welcher Richtung auch immer – zu vermeiden. Als nach Ende der Ausschreibungsfrist nur eine einzige Bewerbung eingegangen war, hat sich das Kuratorium sehr gründlich mit der Bewerbung befasst und dabei auch die Frage nach dem weiteren Weg des Hauses der Stille bedacht. Auch die Frage des Stellenumfangs wurde erörtert. Am Ende hat das Kuratorium für eine Bestellung von Pfarrer Matthias zum Leiter des Hauses der Stille gestimmt und die Entscheidung der Kirchenleitung zur Bestätigung vorgelegt. Die Kirchenleitung hat die Bestätigung nach einem Gespräch mit Pfarrer Matthias versagt.

 

Es ist aus grundsätzlichen Erwägungen heraus schwierig, über das Faktum einer Personalentscheidung hinaus Begründungen mitzuteilen. Aber als Antwort auf Ihre Briefe will ich einige Gesichtspunkte mitteilen. Die Kirchenleitung hat das große Engagement wahrgenommen, mit dem Pfarrer Matthias in den letzten acht Jahren am Haus der Stille gewirkt hat. Sie hat auch die erfolgreiche wirtschaftliche Arbeit gewürdigt, denn es war nicht leicht, die Arbeit des Hauses der Stille weiterzuführen, seit von Seiten der Landeskirche nur noch die Stelle des Leiters (aus Kollektenmitteln) finanziert und das Haus kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Aber die Kirchenleitung hat auch gemeint, dass es nach achtjähriger Amtszeit durchaus angezeigt sein kann, einen Wechsel vorzusehen. Dabei hat sicher auch eine Rolle gespielt, dass die Arbeit des Hauses der Stille, wie sie sich in den Programmheften und Rundbriefen spiegelt, in der Gesamtkirche nicht genügend angenommen ist und kritische Anfragen ausgelöst hat. So wird kritisiert, dass der christliche Charakter des Hauses der Stille nicht deutlich genug erkennbar sei. Dabei trifft nicht zu, wie einige geschrieben haben, dass die Kirchenleitung Pfarrer Matthias eine „mystische Theologie“ vorgehalten habe. Wohl gibt es kritische Anfragen an seine theologischen Darlegungen, aber nicht mit dem pauschalen Vorwurf einer „mystischen Theologie“. Denn es gibt sehr unterschiedliche Ansätze von Mystik in der Theologie. Schon seit längerem – konkret seit dem Besuch einer Gruppe der Kirchenleitung im Haus der Stille – hat die Kirchenleitung den Wunsch geäußert, dass das Haus in seinem Programm und in seiner Gestalt noch stärker als christliches Haus mit evangelischer Prägung erkennbar wird. Die Absicht des Hauses, durch seine Angebote auch diejenigen anzusprechen, die eher am Rande der Kirche leben, aber nach spiritueller Vertiefung ihres Lebens suchen, wird von der Kirchenleitung durchaus verstanden und unterstützt. Aber zugleich wünscht sich die Kirchenleitung, dass der Anteil dessen, was aus der christlichen Tradition stammt, größer und deutlicher profiliert sein sollte. Das hat zu dem Wunsch nach einem Neuanfang in der Leitung des Hauses geführt.

 

Das Kuratorium hat nun beschlossen, einen weiteren Versuch zur Besetzung der Stelle zu machen. Dazu muss die Stelle erneut ausgeschrieben werden. Ich hoffe, dass wir zu einem Ergebnis kommen, auch wenn sich der Stellenumfang immer wieder als Problem erweist.

 

Eine Verabschiedung von Pfarrer Matthias ist für den 23. Mai vorgesehen. Seine Verdienste für den Erhalt der Arbeit des Hauses der Stelle sollen auch an dieser Stelle nicht verschwiegen werden. Das möchte ich auch persönlich sagen, ungeachtet aller (auch meiner) kritischen Anfragen.

 

Mit freundlichen Grüßen

(gez.) Karl-Heinrich Lütcke